VorsorgekommissionWissen & Werkzeuge

Modul 4 von 9 · ca. 35 Min.

Finanzierung, Bilanz & technische Grundlagen

Deckungsgrad, technischer Zins, Rückstellungen und Umwandlungssatz

Lernziele

  • Sie lesen die Bilanz einer Pensionskasse und verstehen die Vorsorgekapitalien.
  • Sie können Deckungsgrad, technischen Zins und Wertschwankungsreserve einordnen.
  • Sie verstehen den Umwandlungssatz und die systemfremde Umverteilung.

Wie das Altersguthaben entsteht

Monatliche Altersgutschriften (Sparbeiträge) auf dem koordinierten Lohn werden verzinst. Die gesetzlichen Mindestsätze steigen mit dem Alter:

AlterGesetzliche Altersgutschrift (% koord. Lohn)
25–347 %
35–4410 %
45–5415 %
55–6518 %

Rechenbeispiel: Altersgutschrift & Verzinsung

Anna ist 40 Jahre alt, ihr koordinierter Lohn beträgt CHF 60'000. Mit 40 gilt der Satz 10 %.

  • Jährliche Altersgutschrift: 60'000 × 10 % = CHF 6'000
  • Bestehendes Altersguthaben: CHF 100'000, angenommener Zins 1,25 %
  • Zinsgutschrift: 100'000 × 1,25 % = CHF 1'250
  • Neues Guthaben Ende Jahr: 100'000 + 1'250 + 6'000 = CHF 107'250

Derselbe Lohn von CHF 60'000 ergibt je nach Alter sehr unterschiedliche Gutschriften:

AlterSatzGutschrift pro Jahr
307 %CHF 4'200
4010 %CHF 6'000
5015 %CHF 9'000
6018 %CHF 10'800

Merke

Ältere sparen prozentual deutlich mehr an – das macht erfahrene Mitarbeitende für den Arbeitgeber teurer, ist aber gesetzlich so vorgesehen. Im Rechner können Sie eine ganze Karriere durchrechnen.

Die Bilanz einer Pensionskasse

Vereinfacht stehen sich gegenüber:

  • Aktiven: das angelegte Vorsorgevermögen.
  • Passiven: Vorsorgekapital der Aktiven (Sparguthaben), Vorsorgekapital der Rentner (Barwert laufender Renten), technische Rückstellungen (z. B. für Langlebigkeit, Pensionierungsverluste) und die Wertschwankungsreserve.

Die Rechnungslegung folgt Swiss GAAP FER 26, dem Standard für Vorsorgeeinrichtungen.

Der technische Zinssatz

Mit dem technischen Zins werden die künftigen Rentenverpflichtungen auf heute abgezinst. Ein tieferer technischer Zins macht die Renten in der Bilanz teurer (höheres Rentnerkapital), dafür sind sie vorsichtiger finanziert. Die Wahl beruht auf der Empfehlung des Experten (Fachrichtlinien). Zur Bewertung der Langlebigkeit dienen Generationentafeln (berücksichtigen die weiter steigende Lebenserwartung) oder Periodentafeln.

Der Deckungsgrad (Art. 44 BVV 2)

Deckungsgrad = verfügbares Vorsorgevermögen ÷ versicherungstechnisch notwendiges Vorsorgekapital × 100.

Rechenbeispiel Deckungsgrad

Vorsorgevermögen CHF 540 Mio., notwendiges Vorsorgekapital CHF 480 Mio. → 540 ÷ 480 × 100 = 112,5 %. Die 12,5 % über 100 % (= CHF 60 Mio.) bilden die Wertschwankungsreserve.
  • ≥ 100 % – die Verpflichtungen sind gedeckt.
  • > 100 % – der Überschuss bildet die Wertschwankungsreserve (Zielgrösse je nach Anlagerisiko oft 10–18 %).
  • < 100 %Unterdeckung; je nach Höhe und Dauer sind Massnahmen nötig (siehe Modul 7).

Wertschwankungsreserve

Sie ist das Polster gegen Anlageschwankungen. Erst wenn sie ihr Ziel erreicht hat, gilt die Kasse als vollständig ausfinanziert; darüber hinausgehende Mittel sind freie Mittel.

Umwandlungssatz & Umverteilung

Bei der Pensionierung wird das Altersguthaben mit dem Umwandlungssatz in eine lebenslange Rente umgerechnet (Obligatorium 6,8 %). Ist dieser höher, als es technischer Zins und Lebenserwartung erlauben, entstehen Pensionierungsverluste.

Rechenbeispiel Pensionierungsverlust

Guthaben CHF 500'000 × 6,8 % = CHF 34'000 Rente/Jahr. Finanziell tragbar wäre bei den heutigen Annahmen eher ein Satz von 5,0 % → CHF 25'000/Jahr. Die Differenz von CHF 9'000 pro Jahr über die gesamte Rentendauer (rund 20 Jahre, abgezinst grob CHF 150'000) muss die Kasse zusätzlich aufbringen – diesen Verlust tragen oft die aktiv Versicherten mit.

Systemfremde Umverteilung

Pensionierungsverluste werden oft von den aktiv Versicherten getragen – eine Umverteilung von Jung zu Alt, die nicht im System der 2. Säule vorgesehen ist. Viele Kassen senken im Überobligatorium den umhüllenden Umwandlungssatz, um sie zu reduzieren.

Die geplante Senkung des gesetzlichen Mindestumwandlungssatzes auf 6,0 % wurde am 22.09.2024 an der Urne abgelehnt – er bleibt bei 6,8 %.

Selbsttest

0/3 beantwortet

1. Was bewirkt ein tieferer technischer Zinssatz?

2. Wozu dient die Wertschwankungsreserve?

3. Wie entsteht die systemfremde Umverteilung?